
Zum 50. Male „Spielcasino" herausgebracht
Seit 22 Jahren gibt es die Spielzeitung an der Adolf-Reichwein-Schule
VON REGINE KLEIST
Bielefeld-Sennestadt. Ein großer Wurf ist der Adolf-Reichwein-Schule gerade gelungen. Zum 50. Male in Folge ist die 1979 gestartete Schülerzeitung „Spielcasino" erschienen: wieder mit interessanten Spielebesprechungen, Buchtipps, Informationen und vielen Pausenrätseln - von Schülern für Schüler. Der Preis konnte bis heute stabil gehalten werden. Seit 22 Jahren beträgt er 50 Pfennig pro Exemplar für Schüler und eine Mark für Erwachsene.
In der Ganztagshauptschule wird Spielen ernst genommen. Dafür steht Konrektor Dirk Hanneforth, der „Mann mit dem Koffer". Mit diesem Gepäckstück, gefüllt mit Neuerscheinungen auf dem Spielmarkt, erscheint er jeden Dienstag zum Treffen der Spiele-AG. Die Arbeitsgemeinschaft, die auf dem Stundenplan stets einen festen Platz hat, steht Schülerinnen und Schülern der siebten bis zehnten Klassen offen.
Sie haben die oft nicht ganz einfache Aufgabe, sich in die Spielregeln einzulesen und die neuen Spiele auszuprobieren. Im Notfall hilft ihnen Hanneforth auf die Sprünge.
Aber ausgebuffte Spielernaturen – und das sind viele Adolf-Reichwein-Kids längst – kommen meist gut allein klar. Nach dem Testspiel verfassen sie eine Kurzbeschreibung und teilen mit, wie ihnen das Spiel gefallen hat. Kleine Texte erscheinen dann im nächsten „Spielcasino" mit Namensangabe der Autoren. Wer Lust hat, kann sein Regelwissen gern auch in der mittäglichen Spieleausleihe der Ganztagshauptschule an seine Mitschülerinnen und –Schüler weitergeben.
„Das läuft aber ganz freiwillig", versichert der Lehrer, der natürlich auch in seinem Kollegium um eine Reihe von Mitstreitern hat. Für ihn hat das gemeinsame Spielen im Schulalltag pädagogisch große Bedeutung. Wenn es im Unterricht „Zoff" gegeben habe, so biete das gemeinsame Spiel den Schülern die Möglichkeit, die Spannungen schnell wieder abzubauen: den Lehrer, einmal rausschmeißen und die Nase vorn haben.
Die Spielcasino-Hefte aus Sennestadt haben heute 32 Seiten, die von den Schülern zusammengelegt und getackert werden. Seit langem enthalten sie auch Anzeigen von Spieleherstellern und –verlagen: wichtiger Teil der Finanzierung. Die jüngste Ausgabe beträgt 500 Stück. Es waren aber auch schon über 1.000. Die „Spielezeitung für Schüler, Eltern und Lehrer" hat ihre Anhänger nämlich auch an verschiedenen Schulen - nicht nur in Bielefeld, sondern u. a. auch in Essen und Oldenburg. Von dort werden ebenfalls spielerische Beiträge geliefert.
Dirk Hanneforth hat für die Jubiläumsausgabe mal ein bisschen Statistik gemacht. So wurden innerhalb der 22 Erscheinungsjahre 1.582 Seiten gestaltet, 945.000 Seiten gedruckt und zu 30.100 Exemplaren zusammengeheftet. Über „Spielcasino" liefen 21 Spielemeisterschaften, an denen bisher 1.113 Schüler und 46 Schulen teilnahmen.
Immer haben die Leser auch die Chance, selbst neue Spiele zu gewinnen, wenn sie die Rätsel und Quizfragen richtig auf einen integrierten Lösungszettel schreiben und einsenden. Bis zum 31. Januar 2001 haben sie damit Zeit.
Dafür, dass den Mitgliedern der AG auf keinen Fall das Testmaterial ausgeht, sorgt Hanneforth persönlich. Er hat in der Szene inzwischen einen so guten Namen, dass die Verlage ihm ihre Neuerscheinungen kostenlos zur Verfügung stellen. Außerdem gehört der Bielefelder seit Jahren selbst zum illustren Kreis der Spieleautoren.
Bildunterschrift:
Gehören zum Casino-Team: die Schülerinnen Nadine, Christine und Melanie sowie Konrektor Dirk Hanneforth (2. von links), die in der Spiele AG der Adolf-Reichwein-Schule zusammenarbeiten. (FOTO KLEIST)
Neue Westfälische, Bielefeld, 02.12.2000