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Schule – wie vor 100 Jahren
Sennestadt. „Grade sitzen, Ohren spitzen, Kopf nicht drehn, mich ansehn". So begrüßte der angehende Lehrer für Geschichte und Pädagogik Thorsten Meyer (26) die Schülerinnen und Schüler der Klasse 8c der Adolf-Reichwein-Schule im Schulmuseum der Fakultät für Pädagogik in der Universität Bielefeld. Das komplett eingerichtete Klassenzimmer aus den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts ist eine andere Welt. Schon beim Platz nehmen auf den harten Holzbänken erlebten die Schülerinnen und Schüler, die das Museum für das Projekt „Zeitung in der Schule" (ZiSch) besuchen, den Unterschied. Besonders die großen Jungen in der ersten Reihe wissen kaum wohin mit ihren langen Beinen. „Kein Wunder, da saßen ja auch früher die Erstklässler", erklärt Thorsten Meyer. „Alle Jahrgänge waren in nur einem Klassenzimmer untergebracht, die Erstklässler saßen ganz vorn und der Abschlussjahrgang ganz hinten." Eine „Versetzung" am Ende eines Schuljahres war damals noch wörtlich zu verstehen, und wer das Klassenziel nicht erreicht hatte, der „blieb" eben in seiner Bank „sitzen". Unter der Anleitung des „gestrengen Herrn Lehrers" fiel es den Schülern nicht schwer sich in die damalige Schulwelt hinein zu versetzen: Gerade sitzen, Hände auf den Tisch, nur reden, wenn man gefragt wird, dazu aufstehen, Frage wiederholen, Antwort geben und den Zusatz „Herr Lehrer" nicht vergessen. Puh, ganz schön anstrengend! Und was passiert mit ungehorsamen Schülern? Den Jugendlichen lief schon der eine oder andere kalte Schauer den Rücken hinunter, als sie hörten, dass der „Deliquent" selbst die Weidenrute im Garten abschneiden musste, mit der er dann „gezüchtigt" wurde. An diesem Tag ist es für die jungen Besucher natürlich nicht so schlimm, zum Spaß als „dummer Esel" in der Ecke zu stehen. Und dann das Knien auf dem spitzen Holzscheit, Leon hielt es gerade eine Minute aus. Dem engagierten Pädagogen Meyer gelang es hervorragend die jungen
Museumsbesucher in die Welt von früher zu versetzen. Sie übten fleißig mit dem
Griffel auf der Schiefertafel zu schreiben. Mit ein bisschen Übung und Hilfe
gelang es ihnen auch, den Spruch in der komischen Schrift auf der Wandtafel zu
lesen.
Neue Westfälische, Bielefeld, 24. Mai 2005 |
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