Handfest, aber berührungslos

Junge Leute unterrichten Schüler in Intercrosse / Kooperationspartner gesucht

VON REGINE KLEIST

Sennestadt. Intercrosse - anfangs fanden es die meisten der 20 Schüler der Adolf-Reichwein-Ganztagshauptschule ziemlich blöd, dass sie für diesen Sport gerade freitags um 14 Uhr in der benachbarten Turnhalle antreten sollten. Ein Spiel bei dem die Gegenspieler nicht einmal berührt werden dürfen, das konnte doch nichts sein. Heute wissen sie, dass es trotz relativ einfacher Regeln schnell und anspruchsvoll ist und ziemlichen Spaß machen kann.

Ein gutes Dutzend Arbeitsgemeinschaften bietet die Hauptschule nachmittags für ihre Schülerinnen und Schüler der 7. bis 10. Klassen an: teilweise in Zusammenarbeit mit außerschulischen Kooperationspartnern. Das Angebot reicht von Kochen und Zeichnen über Textiles Gestalten und die schuleigene Firma „Spielversand in Schülerhand" bis zu Fußball. Die Jugendlichen müssen sich jeweils für ein halbes Jahr auf eine AG festlegen – und sie dann auch regelmäßig besuchen. Das wird schriftlich festgehalten.

Stefan zum Beispiel hätte eigentlich viel lieber „gebolzt", wurde jedoch wegen Überfüllung vom stellvertretenden Schulleiter Dirk Hanneforth auf „Intercrosse" umgepolt. Pavel dagegen kam freiwillig, denn mit Fußball hat er nichts im Sinn, wollte sich aber gern sportlich betätigen. Im Rückblick sind sie ganz zufrieden, mal etwas neues kennen gelernt zu haben, wie sie sagen. Und genau das ist, so Hanneforth das Ziel: Schüler auch einmal in alternative Freizeitmöglichkeiten hineinschnuppern zu lassen.

Als ehrenamtliche Intercrosse-Trainer konnte er Matthias Baginski (19) und Tim Scharschmidt (17) vom CVJM-Brackwede gewinnen, ein halbes Jahr lang freitags nach Sennestadt zu kommen. Die Adolf-Reichwein-Schüler haben zunächst etwas erstaunt geguckt und die beiden fast gleichaltrigen Jugendlichen nicht so ganz ernst genommen, wie Baginski verrät. Das habe sich aber schnell geändert. Die Gruppe habe bald erkannt, dass da nicht irgendein Spielchen, sondern handfester Sport geboten wurde; und zwar von zwei ziemlich fitten Leuten.

Intercrosse, so erzählt Baginski, wurde von Sportlern, Sportwissenschaftlern und Sportärzten entwickelt. Es hat entfernte Ähnlichkeit mit Eishockey, wird jedoch mit einem „Stick" gespielt: einem Stab mit Fangnetz. Damit muss der kleine Hartgummiball aufgefangen und in einem Zug blitzschnell einem der anderen drei Feldspieler zugeworfen oder im generischen Tor platziert werden. Die andere Mannschaft versucht, den Ball weg zu fangen und zum Angriff überzugehen. Das Spiel läuft dreimal 15 Minuten. Zwischendurch sind innerhalb der Teams, die übrigens auch gemixt sein dürfen, fliegende Wechsel möglich.

Im Ruhrgebiet ist „Intercrosse" laut Baginski schon wesentlich populärer. Dort finden regelmäßig auch offene Meisterschaften statt. Einige der Adolf-Reichwein-Schüler könnten sich sogar vorstellen, dabei gemeinsam mit ihren beiden Trainern einmal an zu treten.

Für das neue Schuljahr sucht Dirk Hanneforth noch neue ehrenamtliche Kooperationspartner, die es verstehen, Jugendliche für ihren Sport oder ihr kreatives Hobby zu begeistern. Allerdings müssen sie in der Lage sein, ihre AG in der Woche nachmittags an zu bieten – notfalls auch freitags.

Er würde sich freuen über Angebote unter der E-Mail-Adresse Adolf-Reichwein-Schule@uni-bielefeld.de oder unter ' (0521) 515534.

Neue Westfälische, Bielefeld, 11.09.2003