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Fan der Flaschenpost
VON REGINE KLEIST Bielefeld. Wenn der Bielefelder Heiko Lang am Meer, am See oder am Ufer eines Flusses entlang wandert, dann richtet er stets die Augen auf den Boden. Der 63jährige ist ein passionierter Sammler. Besonders lieb sind ihm alte, dickwandige Bier- oder Mineralwasserflaschen mit aufgepressten Buchstaben. Manche seiner Fundstücke sind nicht einfach im Wasser entsorgt, sondern als Flaschenpost auf die Reise geschickt worden. 50 schwimmende Botschaften hat der frisch pensionierte Lehrer bis heute gefunden, die erste im Jahr 1980 am Strand von Lacanau am französischen Atlantik. Die innen liegenden Zettel sammelt er, nach Funddatum sortiert, in einem Ordner. Bis auf einen. Der hängt - gerahmt - im Wohnzimmer an der Wand: ein kleines Kunstwerk des Holländers Gejs Dragt aus Zwolle, entdeckt in Dänemark. Natürlich hat der „ehrliche Finder“ sofort geantwortet und erfahren, dass der Künstler 1997 im Rahmen einer Aktion 365 handsignierte Drucke in Flaschen verpackt an gasgefüllten Ballons auf den Weg gebracht hat: täglich einen. Mindestens einer, nämlich Langs Exemplar mit der Nummer 2, wasserte in der Nordsee und landete auf Skallingen. „Oft sind es Kinder, die eine Flaschenpost schreiben“, berichtet er. „Manchmal ganze Klassen.“ Aber auch bei Seeleuten ist die Form der ungewissen Kommunikation bis heute beliebt, wie ein Exemplar zeigt, das von einem philippinischen Matrosen stammt, der durch die Nordsee schipperte. Bohrinsel-Crews machen sich, wie Lang belegen kann, ebenfalls einen Spaß daraus, geleerte Flaschen zu versenden. Unter den Absendern in seinem Ordner findet sich sogar Prominenz wieder. In der Nähe von Bonn entdeckte der Bielefelder am Rhein eine mit Wachs versiegelte Bierflasche mit dem Gruß einer Sabine Scharping aus Koblenz. Nach seinem Antwortschreiben herrschte anderthalb Jahre Funkstille. Dann ein Anruf von Mutter Scharping, im Auftrag der Tochter. Sie erzählte, die Flasche sei bei einer Bootsparty des SPD-Politikers Rudolf Scharping im Wahlkampf 1994 über Bord geworfen worden. Bei einem Gemeindeausflug im Jahr 1991 am Plöner See verfasste ein Hamburger Pfarrer eine Flaschenpost, die der Lehrer - ebenfalls am Plöner See - im Sommer 2000 fand. Die Schrift war so verblasst, dass er eine alte Pfadfindertechnik anwenden musste. Von unten mit einer Kerzenflamme leicht angekokelt, ließ sich der Absender erahnen. Der Seelsorger bedankte sich für die Finder-Nachricht aus Bielefeld mit dem Satz: „Bei Gott geht nichts verloren.“ Ein Hochzeitsfoto samt netten Zeilen erhielt er, als er den Fund einer Flaschenpost meldete, die anlässlich einer Eheschließung auf Sylt zu Wasser gelassen worden war und bis Dänemark gedümpelt war. 40 Flaschenpost-Exemplare mit der Adresse Langs sind seit Beginn der Sommerferien irgendwo in Europa ins große Wasser geworfen worden - eine Abschiedsidee seiner Kolleginnen und Kollegen der Bielefelder Adolf -Reichwein -Schule. Vier, so die Rückmeldungen, sind bisher gefunden worden: in Dänemark,
Ahrenshoop - und auf Norderney sogar zwei. Tipps für die Reise
Neue Westfälische, Bielefeld, 12. Oktober 2007 |
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