|
|
Lehrer und Sammler
VON REGINE KLEIST Sennestadt. Unterricht zum Anfassen und Begreifen: Das ist die Spezialität von Heiko Lang (63). Der Biologie- und Mathematiklehrer der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) ist mit seinen Klassen so oft wie möglich hinaus gegangen, um die Natur zu beobachten, statt nur theoretisch darüber zu reden. Gemeinsam mit seinen Schülerinnen und Schülern hat er in der Schule sogar Tiere gezüchtet: Gottesanbeterinnen, bei denen die Weibchen die Männchen nach dem Fortpflanzungsakt verspeisen; Chinchillas, die im Klassenzimmer wie Kugelblitze von Wand zu Wand springen können. Fast 38 Jahre, sein gesamtes Arbeitsleben, war Heiko Lang an der Adolf-Reichwein-Schule im Einsatz. Jetzt beginnt für den Sennestädter die zweijährige Ruhephase der Altersteilzeit. Die Freude am Umgang mit Kindern und Jugendlichen habe er bis heute nicht verloren, versichert er. „Die Kleinen, die fünften Klassen, sind mir die liebsten. Die sind noch wissbegierig und offen.“ Allerdings seien Schüler inzwischen nur schwer in der Lage, sich mehr als zwei bis drei Minuten auf eine Sache zu konzentrieren. „Wer am Mikroskop verfolgen soll, wie Pantoffeltierchen pulsieren, wie sie schrumpfen und wieder wachsen, braucht etwas mehr Geduld als für eine Fernsehsequenz von 180 Sekunden.“ Lang hält sich für einen „strengen Lehrer“. Für ihn ist Disziplin im Unterricht unverzichtbar, „wenn alle Schüler zu ihrem Recht kommen sollen, etwas zu lernen.“ Disziplin hat er jedoch stets auch von sich selbst gefordert. Das bedeutete, dass er mit dem zweiten Klingeln nach der Pause am Pult stand und seinen Unterricht begann. Sein Klassenlehrer im Jahr vor dem Abitur ist „Schuld“ daran, dass Lang Lehrer geworden ist. „Er hat mit uns schon Berufsfindung gemacht und die benachbarte Volksschule besucht. ‚Das wäre was für dich’, habe ich mir damals gesagt.“ Von einem anderen Lehrer hat er einst gelernt, Tierschädel zu präparieren – bis heute eine seiner Leidenschaften. Die biologische Sammlung der ARS wurde von ihm um zahlreiche Anschauungsobjekte bereichert: vom Kuh- über den Mäuse- und Schäferhund- bis zum Walschädel. Alles Fundstücke des „manischen Sammlers“, wie er sich selbst nennt. Sein drittes Studienfach war einst „bildnerisches Werken“. Das entsprechende Unterrichtsfach wurde bald wieder abgeschafft, die Liebe zu den Inhalten ist Lang aber geblieben. Er brachte sie in seine schulischen Arbeitsgemeinschaften ein, ließ die Schüler zeichnen, um sie sehen zu lehren: unter anderem alle Sennestädter Plastiken. Später wurden sie dann aus den verschiedensten Materialien nachgebaut: aus Ton, Draht, Pappmachée oder Ytong. Ebenfalls aus der Studienzeit herüber gerettet hat er seine Lust an „Assamblagen“: Fundstücke von Stränden, Flohmärkten oder vom Straßenrand werden in Bildern oder als Skulpturen in reizvoll-ungewohnte Verbindung gebracht. Eine seiner Arbeiten steht im Büro von Rektor Dirk Hanneforth. Heiko Lang ist begeisterter Kleingärtner. Dadurch ist er zum Marmeladenkoch geworden. Auch davon haben seine Schüler profitiert. Gerade noch hat er mit den sechsten Klassen aus Rhabarber, filettierten Grapefruits und Gelierzucker einen süßen Brotaufstrich hergestellt. „Die haben sich die Finger geleckt.“ Im Ruhestand hofft er künftig noch etwas mehr Zeit für den Garten zu haben. Auch dem Gospelchor Sennestadt will er die Treue halten. Und dann sammelt er ja auch noch Teile von Puppen, besondere alte Flaschen – und Flaschenpost. „Die ist gar nicht so schwer zu finden,“ versichert er. 50 Stück hat er in den letzten Jahren schon entdeckt – und mit manchem der Absender auch Kontakt aufnehmen können.
Neue Westfälische, Bielefeld, 16. Juni 2007 |
|