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„Leinen los“
VON REGINE KLEIST Sennestadt. „Hilfe, Hilfe!" Schrille Rufe vom Teich im Grünzug hinter dem Sennestädter Hallenbad lassen Spaziergänger aufhorchen und etwas genauer hinschauen. Ein Bötchen mit schwarz-weißem Segel treibt ganz langsam auf spiegelglattem Wasser dahin. Am Boden kauern zwei Mädchen. „Mit dir geh ich nie wieder in ein Boot“, schwört eine der beiden lauthals. „Nun duckt euch doch mal richtig ab“, gibt ein Mann vom Ufer aus Anweisung. Das ist Lehrer Ansgar Schürholz von der nahen Adolf-Reichwein-Schule, begeisterter Segler, langjähriges Mitglied des Segelclubs Schieder-Emmersee. Für sein Hobby möchte er im Rahmen des Ganztagsangebotes in einer schulischen Arbeitsgemeinschaft (AG) jetzt erstmals zwei Schülerinnen und elf Schüler begeistern. Voraussetzung für alle Teilnehmer: Sie müssen sicher schwimmen und sich mindestens 15 Minuten über Wasser halten können. Die ersten Stunden haben die 13 Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 Jahren schon hinter sich. Bis zum Frühjahr sollen sie das nötige Rüstzeug für die Segelprüfung intus haben. Einmal wöchentlich nachmittags geht es anderthalb Stunden um Knoten, Luv und Lee, Backbord, Steuerbord, Wenden und Halsen. Da sich trockene Theorie leichter lernt, wenn man weiß, wofür sie notwendig ist, bietet Schürholz den AG-Mitgliedern auch schon ein bisschen Praxis. Er hat seinen eigenen Minisegler, einen Optimisten, mit in die Schule gebracht. Gemeinsam wird er auf dem Schulhof aufgebaut, auf einen kleinen Anhänger gehoben, zum Teich gezogen und dann mit vereinten Kräften zu Wasser gelassen. Begleitet von lästerlichen Sprüchen und lautem Lachen ihrer Schulkameraden klettern Vanessa und Dilek in die Nussschale. – „Leinen los“". „Halt die Pinne doch mal gerade“, fordert Schürholz Vanessa auf. Doch es herrscht Flaute, kein noch so leichtes Windchen bläht das Segel. Der Optimist treibt ungesteuert ins dichte Gebüsch. Der Lehrer und die Gruppe folgen, machen das Boot noch einmal flott. Es dümpelt weiter zu einer lichteren Stelle, wo Vanessa und Dilek endlich wieder festen Boden unter den Füßen finden. Pflichtgemäß jammern sie noch, weil Wasser keine Balken hat, aber es wird deutlich, dass nicht nur die Zuschauer, sondern auch die Mädchen ihren Spaß gehabt haben. Spätestens Ostern 2008, so sagt Ansgar Schürholz, sollen die 13 Sennestädter Landratten ihre Segelscheine in der Tasche haben. Und als Krönung, so hat er den Jugendlichen versprochen, ist eine mehrtägige Segelfreizeit geplant.
Neue Westfälische, Bielefeld, 21. September 2007 |
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