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Im Stau auf Weltreise gehen

Spieltipps für den Sommerurlaub daheim und unterwegs

Qual der Wahl: Dirk Hanneforth präsentiert eine ganze Auswahl spannender und lustiger Spiele.

FOTO: BARBARA FRANKE


VON REGINE KLEIST

Sennestadt. Die Anreise zum Urlaubsort kann zur Geduldsprobe werden: egal ob im PKW, im Zug oder im Flieger - überall drohen Staus, Verspätungen, verpasste Anschlüsse. Diese „verlorene“ Zeit mit kleinen Denkspielchen zu auszufüllen, verhindert, dass schlechte Laune aufkommt und für zusätzlichen Stress sorgt. Doch was tun, wenn fern der Heimat oder auf Balkonien Langeweile aufkommt?

Dirk Hanneforth, Pädagoge und Spieleerfinder aus Brackwede, schlägt vor, für solche zähen Situationen einen Spickzettel parat zu haben. Auf die Notfallliste gehören für ihn ABC-Spiele für Jung und Alt.

Warum nicht spontan eine „Weltreise“ unternehmen? Ein Mitspieler nennt seine Heimstadt. Die anderen müssen Schlag auf Schlag Orte hinzufügen, die mit dem Endbuchstaben der vorherigen Station anfangen: Bielefeld – Detroit – Tokio, Oslo, Osnabrück, Konstantinopel… Das Ganze funktioniert auch mit Flüssen, Ländern, Tieren, Vornamen, Filmen oder Popstars. Etwas schwieriger wird es, wenn jeder sämtliche vorher genannten Stationen wiederholen muss, bevor er die nächste anhängen darf.

Abkürzungen gehören heute zur Umgangsprache. Auch daraus kann – so Hanneforth – ein Rätselspaß werden. AOK heißt normalerweise „Allgemeine Ortskrankenkasse“, man kann jedoch auch „Alles ohne Krankenschein“ draus machen. Auf der Autobahn geben Autokennzeichen Rätsel auf: Woher kommt der Wagen, was könnten die Buchstaben noch bedeuten? BGD steht für Berchtesgaden – und für Bayrischer Gebirgsdepp.

Ein Block hilft, um möglichst lange Sätze zu bilden, in denen alle Wörter mit demselben Buchstaben anfangen sollen. Experten haben es schon auf bis zu 80 Wörter gebracht haben. Und warum nicht die Buchstaben der Vornamen der Mitspieler für passende Beschreibungen nutzen? Tina – tanzt immer noch ausdauernd; Jens - jagt ewig nach Süßigkeiten.

In einer bunten, würfelförmigen Blechdose steckt das Spiel „Durchblick“, das Annkathrin, Schülerin der Adolf-Reichwein-Schule für „ferienreif“ erklärt. Es lässt sich allein oder mit bis zu vier Leuten – etwa ab acht Jahren aufwärts – spielen. Die Regeln sind kurz und bündig. Die Mitspieler erhalten je vier transparente Plastikfolien, auf die kleine bunte Punkte scheinbar wahllos aufgedruckt sind. Nun wird die erste von 64 quadratischen Aufgabenkarten aufgedeckt. Sie zeigt ebenfalls farbige Punkte. Es gilt, die eigenen vier Folien in der Hand so zu drehen und übereinander zu legen, dass am Ende genau das Muster der Aufgabenkarte sichtbar wird. Der Schnellste kassiert die Aufgabenkarte. Wer die meisten davon vorweisen kann, ist Gesamtsieger.

Obwohl „Lernquiz“ draufsteht und Titel wie Aufmachung nicht gerade aufregend sind: Nahren, Natalie und Can verteilen Pluspunkte für „Erdkunde – Deutschland“. Auf jeder Quizkarte steht eine Frage, die ebenso verlesen wird, wie jeweils vier vorgegebene Antworten auf der Rückseite. Das Besondere: zu den drei falschen Antworten werden informative Erläuterungen geliefert. So funktionieren auch die Lernquiz-Varianten Chemie und Physik.

„Hai Alarm“, für zwei bis fünf Mitspieler, dauert nur 10 bis 15 Minuten. Yannick und Sebastian finden dieses Kartenspiel, bei dem es darum geht, entweder drei Haie oder sieben Delphine mehr an Land zu ziehen, als die anderen, lustig. Da hilft bluffen ebenso wie Glück und eine gute Übersicht, denn sie müssen den anderen abgejagt werden.

„Blox“, präsentiert von Dawid und Tony ist als Spiel des Jahres nominiert. Aus bunten Klötzchen bauen bis zu fünf Mitspieler bis zu fünf Etagen hohe Klötzchen auf einem farbigen Spielplan auf und wieder ab, um Punkte zu sammeln. Taktisches Denken, Kartenglück und Hinterhältigkeit führen zum Sieg. Wer rechtzeitig einen anderen vom Feld räumt, hat die Nase vorn. Die klar und deutlich verfassten Regeln sorgen, so versichern die Adolf-Reichwein-Schüler, schnell für fieses Spielvergnügen.


Schüler als Spiel-Experten

Seit 1979 wird an der Adolf-Reichwein-Schule (ARS) offiziell gespielt. Damals kam Dirk Hanneforth, heute Rektor, als junger Lehrer an die Hauptschule - mit dem Auftrag, im Ganztagsbereich eine Spieliothek aufzubauen. Gleichzeitig rief er die Arbeitsgemeinschaft "Spielcasino" ins Leben, die jährlich in zwei bis drei Broschüren neue Spiele beschreibt und bewertet. 1983 folgte die Arbeitsgemeinschaft "Spielversand in Schülerhand" (SiS), deren Mitglieder erste kaufmännische Grundkenntnisse erwerben, gleichzeitig aber auch Spielinteressenten zu beraten lernen. Mit Jugendlichen beider AGs fährt Hanneforth (55) jährlich zur Spielemesse nach Essen. SiS beteiligt sich traditionell an der "Spielewelt" in der Ravensberger Spinnerei, sowie - am Sennestädter Weihnachtsmarkt. Außerdem lädt die AG seit Jahren im Advent gemeinsam mit der NW zur kostenlosen Spieleberatung ein.

 

Neue Westfälische, Bielefeld, 25. Juni 2008


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Webmaster, Stand: 7. Juli 2008                                         [zurück nach oben]