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Wurfgleiter für die Barone der Lüfte
VON REGINE KLEIST Sennestadt. Sie ist ein Renner: die Arbeitsgemeinschaft, die Jürgen Kollien, Jugendbeauftragter des „Flugmodellsportvereins Albatros Güterloh“, in der Adolf-Reichwein-Schule anbietet. Von 33 Schülerinnen und Schülern der beiden fünften Klassen haben sich 17 angemeldet. Sie alle möchten bei dem 44jährigen Kripobeamten lernen, wie aus einfachen Bausätzen flugtaugliche Objekte entstehen. Dafür bleiben sie auch einmal wöchentlich nachmittags freiwillig eine Stunde länger in der Schule. Wegen des großen Interesses wurden sogar zwei Gruppen gebildet. Die erste hat bereits vier Bastelstunden hinter sich. Acht federleichte „Wurfgleiter“ aus Balsaholz sind fertig. Sie müssen nun eingeflogen werden. Die nächsten Wochen hat dann Gruppe II das Vergnügen. Das finden die ersten Kids traurig. Gern hätten sie, wie sie sagen, weiter gemacht. Jürgen Kollien hat ihnen aber fest versprochen, dass sie im neuen Jahr erneut an der Reihe sind und im Frühling sogar Flugzeuge mit Motor bauen werden. Die sollen abschließend auf dem Albatros-Vereinsgelände an den Start gehen. Kollien ist begeisterter Modellbauer und -pilot, ebenso wie Reichwein-Lehrer Josef Behrens. Die beiden Vereinskameraden möchten Kinder und Jugendliche durch das „Schnupperangebot“ für ihr Hobby begeistern, das Naturwissenschaft, handwerkliche Fähigkeiten und Kreativität vereint. Außerdem ist Kollien Schülervater; und die wurden ebenso wie die Mütter angesprochen, ihr spezielles Wissen und ihre Fähigkeiten in Arbeitsgemeinschaften weiter zu geben. Auf dem Schulhof kommt die Stunde der Wahrheit. Sind die acht Gleiter, in deren Nasen jeweils fünf kleine Bleikügelchen stecken, wirklich flugtauglich? Das sollen sie bei ihrem Jungfernflug unter Beweis stellen. Die jungen Erbauer sind besorgt: „Gehen die auch nicht kaputt?“ „Die halten das schon aus“, versichert ihr Kursleiter. „Garantiert“. Wenn der Gleiter in einem langen Bogen nach unten segele, sei das Bleigewicht genau richtig. Lande er kurz und knapp auf der Nase, sei diese zu schwer. Bewege er sich in flachen Bögen auf und ab, müsse nachgelegt werden. Nach einander werfen sieben Schüler und eine Schülerin ihre Modelle ab: leicht schräg nach oben, damit sie Auftrieb erhalten. Zwei gleiten tatsächlich, die Mehrzahl schmiert jedoch ab und kracht auf den Asphalt. Eins bricht mitten durch, andere weisen Flügelschäden auf. „Vielleicht ist der Boden doch zu hart“, vermutet Kollien – und erneuert sein Garantieversprechen. „Sie lassen sich alle reparieren – und das werde ich für euch erledigen.“ Der nächste Flugtest soll vorsichtshalber auf weichem Rasen stattfinden. Die Enttäuschung über die Bruchlandungen weicht, als Jürgen Kollien jedem Teilnehmer eine gedruckte Urkunde überreicht. „Werte Julia, es ist dir gelungen, einen Apparat zu konstruieren, welcher für kürzere Zeit die Erdanziehungskräfte überwinden konnte. Im Dienste der Wissenschaft gebührt dir dafür ewiger Dank, und du erwirbst daraus das Recht, von nun an Baroness Juli, Herrscherin der Lüfte genannt zu werden.“ Ihr Mitschüler Dervis erhält den Titel „Erzherzog“ und „Bestimmer
des Gleitfluges“. Da ist trotz kleiner Pannen die Welt wieder in Ordnung. Neue Westfälische, Bielefeld, 15. November 2005 |
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