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Veränderungen in unseren Schulen
Einschneidende Veränderungen stehen den Bielefelder weiterführenden Schulen bevor.

 

Der in den nächsten Jahren zu erwartende Rückgang der Schülerzahlen, aber auch der verständliche Wunsch vieler Eltern, für ihr Kind eine optimale Bildung zu erreichen, führt zu einem Ausbluten der Hauptschulen. Dafür steigen die Abmeldezahlen an den Gymnasien und Gesamtschulen so stark an, dass diese in Zukunft mehr Eingangsklassen als bisher bilden müssen.

In Sennestadt gibt es bisher noch zwei Hauptschulen: die Vennhofschule im Schulzentrum Süd direkt neben der Theodor-Heuss-Realschule und die Adolf-Reichwein-Schule an der Travestraße. Beide leisten eine hervorragende Arbeit und bereiten ihre Schülerinnen und Schüler sowohl auf die Berufswelt als auch bei Eignung auf den Übergang in die Sekundarstufe II vor. Die Konzepte sind den Richtlinien entsprechend zum Teil ähnlich, aber auch in wesentlichen Teilen unterschiedlich. Die Vennhofschule ist eine traditionelle Halbtagsschule mit einem freiwilligen Angebot für die Mittagsbetreuung und nachmittägliche Freizeitangebote, aber auch Hilfe bei den Hausaufgaben. Die Adolf-Reichwein-Schule hat schon vor vielen Jahren den verpflichtenden Ganztagsbetrieb eingeführt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Schülerinnen und Schüler sind also in der Regel an vier Nachmittagen in der Schule. Neben Freizeitangeboten findet dann auch regulärer Unterricht statt. Dadurch haben die Jugendlichen eine höhere Stundenzahl auch in den Kernfächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch. Die Hausaufgaben werden weitgehend in der Schule erledigt. Die Adolf-Reichwein-Schule ist wohl in ganz Nordrhein-Westfalen eine Schule mit der größten Erfahrung in der pädagogisch ganzheitlichen Betreuung von Jugendlichen in einer Ganztagshauptschule

Die Schulentwicklungsplanung der Stadt Bielefeld sieht nun vor, eine der beiden Sennestädter Hauptschulen zu schließen und alle Schülerinnen und Schüler in einem Gebäude, der Vennhofschule zusammenzufassen.

So schmerzlich eine solche Entscheidung für viele Sennestädter Bürger ist, die sich mit der Hauptschule verbunden fühlen, vielleicht selbst als Lehrer, Eltern oder Schüler mitgewirkt haben, ist dieser Vorschlag doch aus Sicht des Schulträgers, der Stadt Bielefeld, verständlich.

Auch pädagogisch ist der Plan sinnvoll; eine zu kleine, vielleicht einzügige Hauptschule ist nicht mehr in der Lage, genügend Differenzierungsangebote zu machen, das heißt, es findet nicht mehr genügend Förderung statt und die Zahl der möglichen Abschlüsse ist gefährdet.

Was ist also zu tun? Noch sind keine Entscheidungen gefallen, aber der Rat der Stadt Bielefeld muss noch im Dezember dieses Jahres eine Entscheidung treffen. In jedem Fall sollen die verbleibenden Bielefelder Hauptschulen im Ganztagsbetrieb geführt werden. Alle Fachleute sind sich einig, dass die Ganztagsschule die Schulform der Zukunft ist, nicht nur, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Eltern, zu sichern, sondern auch, weil immer mehr Eltern Hilfe und Unterstützung bei der Erziehung ihrer Kinder brauchen.

Es ist auch sinnvoll, eine verbleibende Hauptschule im Gebäude der Vennhofschule zu belassen. Das Gebäude ist im vergangenen Jahr total renoviert worden und präsentiert sich nun freundlich und gut ausgestattet mit allem, was eine Hauptschule braucht.

Ein weiterer Grund ist, dass vielleicht in Zukunft eine engere Kooperation mit der direkt daneben liegenden Realschule entstehen könnte, wie es ursprünglich von den Planern des Schulzentrums Süd angedacht war. Und hier kommen wir auch zu der schulpolitisch brisanten Frage nach der Zukunft der Hauptschule insgesamt.

Fachleute und auch Eltern wissen, dass das in Europa nahezu einmalige „Sortieren“ der Schüler im Alter von 9 bis 10 Jahren in „Begabte“ (Gymnasium), „weniger Begabte“ (Realschule) und „praktisch Begabte“ (Hauptschule) unsinnig ist, vor allem dann, wenn im Kindergarten und in der Grundschule nicht eine systematische Förderung der Kinder mit häuslichen Defiziten stattgefunden hat. Noch immer hat ein Kind aus einer Akademikerfamilie eine viermal höhere Chance, das Abitur zu erreichen als ein Kind mit gleicher Begabung aus einer sozial schwachen oder einer Migrantenfamilie. Wenn nun die Politik z. Zt. aus ideologischen Gründen nicht in der Lage ist, das drei- bzw. viergliedrige Schulsystem aufzugeben zugunsten eines längeren gemeinsamen Lernens mit dem Ziel der individuellen Förderung statt sozialer Auslese, dann sollte zumindest die Kooperation zweier Schulformen verstärkt möglich sein. Warum sollte nicht ein in Englisch begabter Hauptschüler am Erweiterungskurs einer Realschule teilnehmen können oder ein Realschüler mit Mathematikproblemen am Förderkurs einer Hauptschule? Eine solche Zusammenarbeit ist sicher organisatorisch schwierig, aber im Interesse der Jugendlichen sinnvoll. Nicht zuletzt profitiert auch das soziale Miteinander davon.

So könnte die Neuordnung der weiterführenden Schulen in Bielefeld auch eine große Chance für Sennestadt sein, denn in unserem Stadtbezirk kommt bereits fast jedes zweite Kind aus einer Familie mit sog. „Migrationshintergrund“. Alle Kinder in Sennestadt optimal zu fordern und zu fördern sollte dabei das Ziel jeder Maßnahme sein.

 

Ortsgespräch - Zeitung für Sennestadt - Nr. 112, Bielefeld, November 2007


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Webmaster, Stand: 19. Januar 2008                                         [zurück nach oben]