
So
geht das: Vater Michael Denecke (rechts) zeigt (von links) Scherif David und
seinem Sohn Dominic wie
der Untergrund für die Verlegung von
Fliesen vorbereitet werden muss. FOTO:KLEIST
Dominic, Scherif und David aus der 8.Klasse der Adolf-Reichwein-Schule wissen jetzt ganz genau warum im Matheunterricht das Berechnen von Flächen, der Dreisatz und Textaufgaben so intensiv geübt werden. Die Jugendlichen haben im Bodenlegerbetrieb von Michael Deneke, dem Vater von Domenic, nämlich ein zweitägiges Schnupperpraktikum absolviert.
Sie erhielten gleich den Auftrag, die Grundfläche des
Ausstellungsraumes mit Kaminecke aufzumessen und zu berechnen. Alle drei kamen
zunächst zu unterschiedlichen Ergebnissen.
Die Schnupperei am Arbeitsplatz von Vater, Mutter, anderen
Verwandten oder Freunden der Familie stand in der Sennestädter Hauptschule
erstmals auf dem Stundenplan. „So mancher unserer Schüler hat erstmals selbst
mit eigenen Augen gesehen, wie die Eltern ihr Geld Verdienen", berichtet
dazu Konrektor Dirk Hanneforth. Bei der Vorstellung des Vorhabens am Elternabend
sei er auf große Bereitschaft gestoßen, dabei mitzumachen. „Da das natürlich
nicht in jeder Firma möglich war, haben einige Väter und Mütter auch mehrere
Jugendliche übernommen."
Zu dieser Gruppe gehört Michael Denecke, eigentlich
gelernter Kfz‑Mechaniker, aber seit sieben Jahren als Bodenleger tätig
und seit fünf Jahren mit Eintrag in die Handwerksrolle selbständig. „Die
Idee des Schnupperpraktikums finde ich wirklich toll", sagt er. Um den
Jungs einen ordentlichen Einblick zu vermitteln, hat er seinen Terminkalender
extra nicht so voll gepackt und auch seinen Bauherrn vorgewarnt, dass er diesmal
mit Begleitung kommt. Damit sich Dominic, Scherif und David vor Ort beim
Aufmessen nicht blamieren, müssen sie allerdings zunächst noch einmal üben.
Der Vater erklärt ihnen auch, wie der Untergrund für das
Verlegen von Teppichböden, PVC oder Fliesen vorbereitet werden muss. Das dürfen
sie nun auf Spanplatten selbst ausprobieren ‑ und haben ihren Spaß dabei,
erst Füllmasse aufzutragen, dann Kleber und zuletzt den Belag. Sie erfahren,
dass es wichtig ist, den Kunden bei der Auswahl eines neuen Teppichbodens zu
fragen, ob er vielleicht unter Allergien leidet. Michael Denecke: „Wer damit
Probleme hat, sollte sich nicht gerade für Ware aus Ziegenhaar
entscheiden."
Was die Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren an
den beiden Schnuppertagen genau erlebt haben, mussten sie anschließend im
Deutschunterricht zu Papier bringen. Dirk Hanneforth und seine Kollegen sind mit
den Ergebnissen des ersten Schnupperprobelaufes in Theorie und Praxis zufrieden.
„Wir planen, die Eltern Schnupperpraktika an unserer
Schule für die 7. Klassen zu einer Dauereinrichtung zu machen", erklärt
der Konrektor der Adolf-Reichwein‑Schule. „Sie sind eine sinnvolle Ergänzung
unseres Berufsorientierungsprogramms mit vier Tagen Berufskolleg in der 8.
Klasse sowie den zwei und dreiwöchigen Betriebspraktika in den Klassen 9 und
10. Je mehr Berufe die Schülerinnen und Schüler kennen lernen, desto besser.
Bericht der Neuen Westfälischen vom 31.03.2001 von Regine Kleist