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Die Geschichte der Adolf-Reichwein-Schule

Im Zuge der Entstehung der Sennestadt wurde die Adolf-Reichwein-Schule (ARS) im September 1960 als Oststadtschule fertig gestellt. Entworfen hatte sie der Planer der Sennestadt Prof. Dr. H. B. Reichow. Die Bau- und Einrichtungskosten betrugen 1.665.285,27 DM. Die Oststadtschule erhielt schon bald ihren Namen nach dem Mitglied des Widerstandes gegen das Naziregime Adolf Reichwein. Dieser deutsche Reformpädagoge war am 20.10.1944 in Berlin hingerichtet worden. Reichweins pädagogisches Konzept kann man - handgestickt - auf einem Wandteppich in der Aula unserer Schule nachlesen:

Wir führen diese Jugend
nicht in eine wohl bereitete
Heimat, sondern in das offe
ne Gelände einer Zukunft, die
sie selbst mitbauen muss. Jede
Unsicherheit fordert zu ei-
nem Wagnis heraus + jedes
Wagnis verlangt zuvor eine
Entscheidung, und entschei-
dungsstark können nur Men-
schen sein, deren Jugend schon
unter dem Stern der Zucht +
der Entsagung, der täglichen
Herausforderung an sich
selbst gestanden hat.

Reichweins Lebensziel war es, Menschen zu befähigen, ihr Leben selbst zu gestalten. Seine Schüler/innen sollten lernen, sich selbst zu helfen und ihre Stärken und Schwächen zu erkennen.

Im Zuge der Aufgliederung der Volksschule wurde aus der ARS 1968 eine Hauptschule.

Heinrich Kokemohr, erster Rektor der ARS, wollte die besonderen Möglichkeiten einer Tagesschule für seine Schule nutzen. Nach gründlicher Vorbereitung und Planung begann 1970 der Ganztagsbetrieb der Schule. Unsere Schule ist damit die zweitälteste Ganztagshauptschule in NRW.

Das Experiment Ganztagsschule konnte beginnen. Eltern und Kollegium standen fast geschlossen hinter dem Experiment. Und versucht und ausprobiert wurde so allerhand: Fünf Vormittags- und drei Nachmittagsstunden, sechs Vormittags- und zwei Nachmittagsstunden, ein 20-Minuten-Raster, die 60-Minuten Stunden, die 40-Minuten Stunde mit den sich daraus ergebenden Mehrstunden, die A-, B- und C-Kurse, die Kursbeutel aus Jute und vieles andere mehr.

Im Laufe der Zeit kristallisierte sich die Form der Schule heraus. Der Versuch lief offiziell aus. Das Schulleben stabilisierte sich in den ausgetesteten Strukturen. Ein wichtiges Element der Konsolidierung des Kollegiums war damals die PH, die Paukerhöhle, das Hausmeisterhaus mit seinen vielfältigen Möglichkeiten zur Kommunikation.

Die von Heinrich Kokemohr erwünschten Vorzüge einer Ganztagsschule - mehr Lehrkräfte, mehr Stunden, fast keine Hausaufgaben, kleinere Lerngruppen, Fördermaßnahmen, Mittagessen in der Schule, längere Kotaktzeiten für Kinder und Pädagogen, Freizeitangebote - sie griffen und zeigten Wirkung. Andere Schulen in NRW und in anderen Bundesländern zogen nach und konnten von den Erfahrungen der ARS profitieren.

Ein Problem, das der ARS mit in die Wiege gelegt worden war, blieb: Die Ganztagsschule war im Gebäude einer Halbtagsschule eingerichtet worden. Das Raumangebot kniff. Zusätzliche Raumnot entstand durch die für alle Schulformen geltende erhöhte Nachfrage nach Fachräumen speziell für die Naturwissenschaften und den Technikbereich. Der ARS als Tagesschule fehlten besonders zugeschnittene Freizeiträume. Außerdem drängelten sich die Kolleginnen und Kollegen in Pausen und Konferenzen in einem völlig unzureichenden Lehrerzimmer.

Eine der großen Leistungen von Kokemohrs Nachfolger im Rektoramt, Ernst-August Röckemann, war die Planung und die Durchführung mehrerer Schulerweiterungen. Zwei Werkräume mit Maschinenraum und Lager machten den Anfang. Ein neuer Biologieraum mit Vorbereitungsraum und ein Sammlungsraum für die naturwissenschaftlichen Fächer entstanden. Höhepunkt war die „Runderneuerung der Adolf-Reichwein-Schule in voller Fahrt“ wie Ernst-August Röckemann sie bei der Einweihungsfeier nannte. Eine moderne Küche wurde gebaut, ein vorbildliches Freizeitzentrum mit Bibliothek und Teeküche, ein Computerraum, ein angemessener Verwaltungstrakt mit Rektor-, Konrektor- und Lehrerzimmern vervollständigten die Baumaßnahmen. Die Kosten betrugen rund 4,5 Millionen DM.

Endlich konnten die eigentlichen Tagesschulkapazitäten ganz zum Tragen kommen. Ein Schwerpunkt der Freizeiterziehung zog mit dem Lehrer, Spieleautor und Spielpädagogen Dirk Hanneforth in die ARS ein. Zusammen mit der Kollegin Anita Gebauer gründete er die Firma „SiS - Spielversand in Schülerhand“. In dieser Firma in der Schule testen Schülerinnen und Schüler Spiele auf ihre Verwendbarkeit in Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen. Sie werben für die ausgesuchten Spiele und versenden und verkaufen sie auch. Gewinne werden für den schulinternen Freizeitbedarf eingesetzt.

Ganz besonders segensreich für unsere und mittlerweile viele andere deutsche Schulen wirkte sich das so genannte Schlichterprogramm aus, das auf Anregung und mit Hilfe von Schulpädagogen an der ARS entwickelt wurde, um im Falle eines Konfliktes zwischen Schülern diesen selbst das Werkzeug an die Hand zu geben, Streit zu schlichten. Die Kolleginnen Maria Lindner und Brigitte Wüllner und der Kollege Manfred Walter haben das Schlichterprogramm getestet, verbessert, und brauchbar gemacht.

Im Jahr 1999 übernahm Elisabeth Stratmann-Paulun die Leitung der ARS. Sie setzte sich in ihrer Leitungszeit besonders für die Öffnung der Schule ein und entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Kollegium das Projekt „Arbeitslehre/Lebensplanung“. Schüler/innen der 9. und 10. Klassen verlassen die Schule, um mit außerschulischen Partnern zu lernen und zu arbeiten.

Nach dem Ausscheiden von Elisabeth Stratmann-Paulun übernahm der damalige Konrektor, Dirk Hanneforth zunächst kommissarisch die Leitung der ARS. Seit 2005 ist er Rektor der Schule.

 

Zeittafel

1960

  •  Gründung der Oststadtschule als zweizügige Volksschule, Rektor: Heinrich Kokemohr

1964

  •  Umbenennung der Oststadtschule in ARS (19.05.)

1968

  •  Umordnung in eine dreizügige Hauptschule

1970

  •  Beginn des Ganztagsschulbetriebs

1974

  •  Ernst-August Röckemann wird Rektor der ARS (bis 1999)

1976

  •  erste Schüler/innen aus Aussiedlerfamilien an der ARS Gründung des Vereins der „Freunde und Förderer der ARS“

1977

  •  Anbau der Werk- und Technikräume

1978

  •  Einrichtung der freiwilligen Klasse 10 mit der Möglichkeit zur Erlangung der Fachoberschulreife

1979

  •  erstes Heft der Schüler-Spiel-Zeitung „Spielcasino“

1981

  •  Ausbau von Biologieraum und Sprachlabor

1983

  •  Gründung der Schülerfirma „SiS – Spielversand in Schülerhand“

1985

  •  Umbau der Schule mit neuer Küche, zwei Klassenräumen, Freizeitbereich und Verwaltungstrakt (offizielle Eröffnung am 23.11.)

1990

  •  Beginn der Schulpartnerschaft mit der Schule Istok in Nowgorod

1992

  •  Beginn des Schulschlichterprogramms

1997

  •  erstes „Schnupperpraktikum“ in den 8. Klassen

1998

  •  Beginn des Projektes „Soziale Kompetenzen erwerben und erweitern“

1999

  •  Elisabeth Stratmann-Paulun wird Rektorin der ARS (bis 2003)

2000

  •  erstes „Elternpraktikum“ in den 7. Klassen

2001
  •  Beginn des Projektes „Busbegleiter“
  •  Beginn der Gesundheitsberatung durch eine Schulärztin
2003
  •  Dirk Hanneforth übernimmt kommissarisch die Leitung der ARS
2005
  •  Herr Hanneforth wird Rektor der ARS
  •  Frau Todte wird Konrektorin der ARS
  •  das Trainingsraumkonzept wird an der ARS eingeführt
  •  die ARS wird Korrespondenzschule
2006
  •  die ARS gibt eine Schulaktie heraus (Gestaltung: Matthias Hauke)
2007
  •  die ARS führt das Lehrerraumprinzip ein
  •  Vernissage an der ARS unter Mitwirkung des Künstlers Matthias Hauke
  •  die REINHARD TWEER GmbH und die ARS schließen eine Kooperationsvereinbarung

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Webmaster, Stand: 19. Januar 2008                                         [zurück nach oben]