Spiele wider den Stress

Expertentipps für die Urlaubsfahrt, Teil I

VON REGINE KLEIST

Bielefeld-Sennestadt. „Spielen spart Nerven." Dieser Rat für gestresste Eltern, die schon mit Angst und Schrecken an die lange Fahrt zum Urlaubsort denken, stammt von zwei Spielexperten: Dirk Hanneforth und seine Kollegin Anita Gebauer von der Adolf-Reichwein-Schule. Und sie liefern auch gleich die nötigen Tipps, was sich unterwegs ohne Aufwand gemeinsam spielen lässt: im Auto, im Zug, in der Wartehalle des Flughafens oder auch im Flieger selbst.

Für Familien, die mit dem Auto unterwegs sind, schlagen sie vor, einfach die Nummernschilder der Nachbarfahrzeuge ins Visier zu nehmen und gemeinsam zu überlegen, wo die wohl herkommen könnten. Oft klappt das auf Anhieb, bei anderen mit etwas Nachdenken oder mit etwas Glück auf dem nächsten Rastplatz. Vielleicht steht dort zufällig ein Auto mit der gleichen Buchstabenkombination ein Blick auf den Behördenstempel bringt es Rätsels Lösung.

Wortreich geht es weiter: es sind immer neue Wörter zu finden, in denen die Buchstaben auf den Autoschildern enthalten sind. Dürfen nur Länder, Flüsse, Berufe oder auch Vornamen genannt werden, wird die Sache schon anspruchsvoller.

„Ich sehe was, was Du nicht siehst, und das ist..." Dieses Ratespiel aus seinen eigenen Kindertagen macht nach Hanneforths Erfahrungen auch den Kids von heute noch Spaß. Die Wartezeit im Stau, auf dem Bahnhof oder in der Abflughalle vergeht damit bestimmt etwas schneller.

Oder wie wäre es mit „Teekesselchen raten". Einer der Mitspieler denkt sich einen Begriff aus und gibt einen ersten Hinweis: „Mein Teekesselchen braucht man bei Sonne." Durch geschicktes Fragen versuchen die übrigen herauszubringen, worum es sich handelt.

Zusammengesetzte Hauptwörter haben - so Anita Gebauer - ebenfalls ihre spielerischen Reize. Zum Beispiel „Fußball". Aus der zweiten Hälfte soll jeweils durch Anhängen ein neues zusammengesetztes Hauptwort werden: Ballspiel wird zu Spielfeld, wird zu Feldfrucht...

Im eigenen Auto darf unterwegs bestimmt auch lauthals gesungen werden. Ein Mitfahrer stimmt ein Lied an und hört mitten im Text auf. Mit seinem letzten Wort muss nun das nächste Lied beginnen.

Etwas Konzentration erfordert der „Kaufmann von Paris". Der Startspieler erklärt: „Ich bin der Kaufmann von Paris, hab' lauter schöne Sachen, verbiete ,ja' und ,nein' zu sagen, das Weinen und das Lachen." Anschließend stellt er seinen Mitspielern Fragen, die eigentlich nur mit „ja" oder „nein" zu beantworten sind. Die müssen andere Formulierungen finden. „Sitzt du gern in der Sonne?" „Sollen wir morgen gleich zum Strand gehen?" „Hast du auch Deine Sonnenbrille eingepackt?" Wer eins der verbotenen Wörter benutzt, muss in die Rolle des Kaufmanns schlüpfen.

Dirk Hanneforth und seine Kollegin Anita Gebauer raten den Eltern, sich einen Spickzettel mit Spielen zu machen, damit ihnen im entscheidenden Moment auch etwas einfällt. „Noch schöner ist es natürlich, Mutter, Vater oder Kinder haben selbst eine pfiffige Spielidee, die allen unterwegs die Zeit verkürzt."

Neue Westfälische Bielefeld

20. Juli 2002